Vor der industriellen Revolution wurde unsere Wirtschaft von tierischer und menschlicher Muskelkraft angetrieben. Heute verbraucht jede:r einzelne Österreicher:in das 58-fache dessen, was sie in einem Jahr körperlicher Arbeit bereitstellen könnte [1, 2]. Auch für Nahrung und Wasser brauchen wir große Mengen Energie, um sie bereitzustellen. Kurz: Ohne Energie geht nichts, gar nichts!
Der Gesamtenergieverbrauch in Österreich betrug im Jahr 2021 1.654 Petajoule. Das sind pro Person 54.444 kWh (entspricht 4.323 Litern Benzin). Zum Vergleich: der Stromkostendeckel gilt für 2.900 kWh pro Zählpunkt.
Lediglich 31% davon kamen aus erneuerbaren Quellen [3, 4, 5]. Umgekehrt stammen 63% (1048 PJ) aus fossilen Quellen, davon 93% (972 PJ) importiert [6]. Der Rest sind Abfälle und Wärmepumpen [3]. Diese 972 PJ (59%) stellen also unsere Abhängigkeit von Energieimporten dar. Eine Abhängigkeit, die selbstverständlich erpressbar macht.
Die energetische Verwertung von Biomasse steht in Konkurrenz zu anderen Produkten wie Papierstrohhalme, Sackerln, … Der Trend weg vom Kunststoff ist gleichzeitig ein Trend hin zur Biomasse, die dann nicht mehr zum Verheizen zur Verfügung steht. Diese Energiequelle wird sich also nicht ausbauen lassen.
Wasserkraft ist mit Abstand der günstigste konventionelle Energieträger. Das bedeutet aber auch, dass die meisten Potentiale seit Jahrzehnten, manche seit über 100 Jahren genutzt werden. Weiters verringert die durch den fortschreitenden Klimawandel bedingte Trockenheit die Produktion der existierenden Anlagen [7]. Bei der Wasserkraft ist also ebenfalls nicht mit einer großen Steigerung zu rechnen.
Wind und Sonne werden also diese Lücke schließen müssen. Diese produzieren jährlich lediglich 34 PJ. Wir brauchen also 28,6 mal so viel wie wir jetzt schon haben. Bei einer zu erwartenden Lebensdauer von maximal 25 Jahren müssen wir jedes Jahr 1,2 mal so viel bauen, wie aktuell in Österreich installiert ist. Die derzeitige Bautätigkeit liegt beim 0,1 bis 0,15-fachen der vorhandenen Kapazität [8, 9]. Wir müssten den Ausbau also verzehnfachen, damit wir in 25 Jahren unabhängig von jederlei Despoten wie Putin wären.
Niemand in Politik und Medienlandschaft spricht über die Dimension der Herausforderung, vor der wir stehen. Solange sich das nicht ändert, sind wir Beifahrer in unserem eigenen Schicksal.
Disclaimer: Versteckte Energieimporte und Exporte
Das offizielle Energieflussdiagramm [3] hat eine systematische Lücke. Viele Güter, die in Österreich produziert werden, werden exportiert. Die dafür notwendige Energie wird also eigentlich nicht von den Österreicher:innen sondern von den Zielländern verbraucht. Genauso importiert Österreich sehr viele Waren, für deren Produktion auch Energie eingesetzt wurde. Dazu gibt es meines Wissens keine Statistik, deshalb habe ich mich in dieser Rechnung auf die verfügbaren Zahlen beschränkt. Streng genommen handelt es sich also um den Verbrauch der “Wirtschaft” und nicht der “Menschen”. MMn ist dieser Fehler vernachlässigbar. Ob wir die Ausbaugeschwindigkeit verneun-, -zehn-, oder -elffachen müssen is a scho wurscht.
[1] https://www.umweltschulen.de/energie/powermensch.html
[2]
Ö Gesamtverbrauch 2021: 1,654e18 J [3]
Ö Einwohner 2021: 8,930e6 Pax
=> Pro Kopf Verbrauch: 1,852e11 J
Jahresleistung Mensch: 3,168e9 J [1]
Pro Kopf Verbrauch: >58 Menschen
[3] https://www.bmk.gv.at/themen/energie/publikationen/zahlen.html
[4] https://positionen.wienenergie.at/grafiken/europaeischer-stromerzeugungsmix/
[5] 283 PJ Biomasse, 140 PJ Wasserkraft, 52 PJ erneuerbare Stromimporter (inkl Atom), 24 PJ Wind, 10 PJ Solar
[6] https://www.kleinezeitung.at/wirtschaft/6118542/Produktion-ruecklaeufig_Bangen-um-GasVersorgung_Wo-Oesterreich
[7] https://www.tt.com/artikel/30829820/stromproduktion-aus-wasserkraft-sank-im-juli-wegen-trockenheit-um-31-prozent
[8] https://kurier.at/wirtschaft/stromerzeugung-windkraft-ausbau-erneuerbare-energien/401867813
[9] https://positionen.wienenergie.at/grafiken/photovoltaik-ausbau-in-oesterreich/